Rent-a-Dog, Seelenvermietung mit Leiharbeitercharakter?

Inuki |kleinstadthunde.de

Was bei Autos Carsharing, bei Werkzeugen Tool-Sharing und bei Wohnraum Couch-Surfing heißt, heißt bei Hunden Rent-a-Dog. Was in Amerika bereits seit einigen Jahren möglich ist, ist bei uns nun auch seit September 2013 angekommen. Katrin Räsemeier aus Hessisch-Oldendorf hat mit ihrem Vermietungsservie “BelloBlue” eine “Marktlücke” gefüllt. Das Angebot von BelloBlue bezieht sich auf die Vermietung von Hunden gegen ein monatliches Entgeld. 

Wer profitiert von BelloBlue?

 Zielgruppe sind laut der BelloBlue Website einsame Senioren die ihren Lebensabend mit einem Gefährten verbringen möchten. Doch leider scheitert dieser allzu verständliche Wunsch an den Gedanken was mit dem geliebten vierbeinigen Freund passiert wenn Herrchen oder Frauchen stirbt, ins Krankenhaus muss oder anderweitig abwesend ist. BelloBlue macht diesen Wunsch möglich. Sollte dem Herrchen oder Frauchen auf Zeit etwas passieren oder plötzlich versterben so wird der Hund innerhalb von 24 Stunden von BelloBlue abgeholt und versogt.

Ebenso ist der Hund über die Firma versichert, inkl. OP- und Krankenversicherung. Auch das Futter wird von BelloBlue bereitgestellt und geliefert. Selbstverständlich hat BelloBlue auch Hundetrainer/innen in der Hinterhand falls es mal schwierig werden sollte. Lediglich die Hundesteuer müsse vom Kunden selber getragen werden.

Woher kommen die Hunde?

 Die zu vermietenden Hunde sind laut der Website ehemalige Familienhunde welche auf Grund von Scheidung oder anderen Umständen abgegeben werden mussten. BlueBello nimmt diese Hunde also auf und vermietet sie dann weiter. Allerdings bejaht auch ein Blogartikel auf der Website selbst das BelloBlue mit Züchtern zusammen arbeitet. Das heißt die Welpen werden dann direkt Eigentum von BlueBello und an Senioren vermietet. BelloBlue bevorzugt es zwar kleine Mischlingshunde zu vermieten, dennoch frage ich mich ob ein/e Senior/in mit einem jungen, welpigen und quirligen Hund zurecht kommt, der oder die die Sozialisierung und Ausbildung des Hundes übernehmen kann? Ich denke jeder Hundehalter wird mir zustimmen dass ein Welpe Arbeit macht und so manches mal auch einiges an Nerven kostet.

Wer profitiert wirklich?

Apropos Kosten, der ganze Service kostet 150 EUR im Monat, zusätzlich gibts eine einmalige “Vermittlungsgebühr” welche sich nach Ausbildungsstand des Hundes richtet, idR beträgt diese 500 EUR. Außerdem wird noch eine Aufwandspauschale für die Vorkontrolle und dem ersten kennenlernen fällig. Der Miethund wird also zum mietbaren Luxusgut und nur wenige Rentner können sich diesen in Anbetracht der heutigen Rentenhöhe leisten. Aber BelloBlue ist Monopol Inhaber somit Preisgestalter.

Fazit

Auf den ersten Blick hört sich das BlueBello Konzept garnicht schlecht an, doch meiner Meinung nach wird der Hund wie eine Sache behandelt die man mieten kann. Die individuelle Beziehung, das i-Tüpfelchen zwischen Mensch und Hund fehlt. Die Frage ist – ist es moralisch und ethisch vertretbar einen Hund gegen Entgeld zu vermieten? Außerdem erschrecken mich die Kosten. Vermittlungs- oder auch Schutzgebühren liegen in Tierheimen im Schnitt bei 300,- EUR (unabhängig vom Ausbildungsstand), Vorkontrollen sind kostenlos. Und die Futter und Tierarztkosten bzw. eine Kranken- und OP Versicherung für kleine Hunde liegt im Monat bei weit weniger als 150,- EUR. Der einzige Vorteil ist also die “Rücknahmegarantie” und “Futterlieferung”. Wobei Futter auch von diversen Online-Shops bis an die Haustür gefahren wird.

Ich sehe dieses Konzept skeptisch. Einerseits bin ich froh das die Hunde im Falle eines Falles abgesichert sind aber ich denke an die Psyche des Hundes wenn er immer weitergereicht wird und an die Rentner die da einen ziemlichen Haufen Geld berappen. Zumal diese Vermittlungsgebühr sich nach dem Ausbildungstand des Hundes richtet. Der Golf kostet je nach Austattungsmerkmal auch mehr oder weniger. Wird der Hund also doch nur als Sache und/oder Geschäftsgegenstand gesehen? Gassigänger sind im Tierheim übringens sehr gefragt und es kostet nichts.

Wie seht ihr das Rent-a-Dog Konzept von BelloBlue? Würdet ihr es empfehlen oder habt ihr gar Erfahrungen mit BelloBlue und Rent-a-Dog?

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Hi, ich bin Dani, Bloggerin und Autorin bei Kleinstadthunde. Ich liebe leckeres Essen, tolle Schokolade, spannende Serien und jegliche Art von Abenteuer. Du kannst mich auch auf Facebook und Instagram finden.

0 Kommentare

  1. Socke-nHalterin

    Mein erster Gedanke war nein, das geht doch gar nicht. Ein Hund ist doch keine Sache, die man sich zeitweise an sein Seite holt. Dann ist der Preis von monatlich 150 Euro schon sehr hoch. Die Idee auch älteren Menschen ein Leben mit einem hund zu ermöglichen wiederum finde ich schön. Dass dabei der Weg zeitlich begrenzt ist, könnte man vielleicht anders lösen, als durch einen Mietvertrag. bei mir bleibt ein übler Beigeschmack….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  2. Ich fände es auch besser, wenn Senioren sich um ein älteres Tier aus dem Tierheim kümmern würden. Das passt zusammen und gerade ältere Tiere haben ja kaum noch Vermittlungschancen. Da sollten die Tierheime aufgeschlossener sein, finde ich. Außerdem kann man ja auch einen Vertrag mit dem Tierheim schließen, sollte sich gesundheitstechnisch beim Halter etwas ändern…

    LG Andrea und Linda

    • Genau – eine Art Pflegestelle für Hunde die schon länger in der Vermittlung sind und zu den Senioren passen!

      Liebste Grüße
      Dani mit Inuki dun Skadi

  3. Habe gerade eine denkwürdige Erfahrung mit Bluebello gemacht: den Mietvertrag bekommt man nur zu Gesicht, wenn man sich persönlich mit Frau Rösemeier verabredet. Ich fragte nur nach einem Mustervertrag, um abschätzen zu können, was mich für ein Mietverhältnis konkret erwartet.
    Begründung:
    “…unsere Mietverträge werden nur persönlich ausgehändigt. Es sind Verträge, die anwaltlich ausgearbeitet sind und in denen wir Zeit und Geld investiert haben. Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, das wir diese nicht so einfach rausgeben.
    MfG
    Katrin Rösemeier”
    Ich verstehe dieSe Geheimniskrämerei nicht. Natürlich möchte ich mich vor dem Unterschreiben in Ruhe mit dem Vertrag vertraut machen können. Jetzt bin ich jedenfalls skeptisch.

    LG Julie

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