Skadi | Working Cocker Spaniel | Friesland | kleinstadthunde.de
Tierschutz

Ein Hund aus dem Ausland adoptieren Die Krux mit dem Auslandstierschutz und meine Erfahrungen

Vor nicht allzu langer Zeit waren Hunde aus dem Ausland eher selten in Deutschland anzutreffen. Der ein oder andere hat sich vielleicht im Urlaub verliebt und dann den Vierbeiner (oder Zweibeiner) mit nach Deutschland genommen. Aber gezielt Hunde aus dem ausländischen Tierschutz importiert? Eher nicht. Aber damals ging man auch noch zum Bauern seines Vertrauen und holte sich dort die Welpen des Hofhundes oder wenn man Arbeitshunde brauchte, bediente man sich eben in Züchterkreisen entsprechend. Stichwort DSH und Schäferhundverein sowie Jäger und ihre Hunde. Tierheime gab es da natürlich auch schon – nur eben ohne Auslandshunde.

Aber seit einigen Jahren (ich glaube, die Auslandshunde”welle” startete so um 2010(?) in meinem Umfeld) ist es völlig normal und gar nicht mehr unkonventionell sich seinen Hund aus dem Ausland “liefern” zu lassen.

Ich denke, dank Facebook und dem restlichen Internet konnte sich diese Praktik erst etablieren. Denn in der Regel werden dort die Hunde gegen Schutzgebühr angeboten. Und im Prinzip finde ich das auch nicht schlimm. Aber ich selber hätte mir wohl keinen Hund aus dem Auslandstierschutz ausgesucht. Und trotzdem sitzt einer bei mir. Das verwundert viele Leser hier auf dem Blog und auf Instagram. Besonders, weil ich vielen Menschen vom Auslandstierschutz abrate bzw. von der Adoption eines solchen Hundes.

Aber Skadi wurde nicht von mir “importiert”. Skadi war schon einmal in Deutschland vermittelt gewesen. Aber “dank” ihrer Macken (“so ein Biest wollen wir nicht haben”- Zitat ihrer ersten Halter) wurde sie in eine Pflegestelle ganz in meiner Nähe gegeben. Und als meine Pläne für einen Zweithund konkreter wurden, schickte man mir eine eBay Kleinanzeige von ihr. Nunja, gucken konnte man ja mal. Aber, nachdem ich 2x nur gucken wollte, kann ich von mir behaupten dass das nicht klappt. Dieses “nur gucken”.

Tja, und so ist Skadi dann bei mir eingezogen. Sie ist quasi (m)ein 2nd-hand Auslandshund. Übrigens wurde sie als “junge aktive Hündin” beschrieben, die “Kinder und andere Tiere liebt und leider auch vor Freude unter sich macht”. Wie sie wirklich war und nun ist, lest ihr weiter unten. Ihr werdet sehen, dass auch die deutsche Pflegestelle Skadi nicht korrekt eingeschätzt hat. Dennoch stand eine Abgabe bei mir niemals zur Debatte. Auch wenn Inuki und sein “ich liebe alle Menschen und Umarmungen” eher der Olaf unter den Hunden ist – und Skadi das krasse Gegenteil und sich beides manchmal ungünstig gegenseitig verstärkt. Ja, es war eine Umstellung mit vielen Einschränkungen aber Rückblickend hat es sich gelohnt. Für uns beide. Die Frage ist, kommt man damit klar bis es sich “rückblickend gelohnt” hat?

Und auch wenn ich eine Menge von ihr und mit ihr gelernt habe, würde ein Auslandshund wohl nicht mehr bei uns einziehen. Sowohl Skadi als auch Lia (der Hund meiner Eltern, ebenfalls aus dem Ausland) haben ihr Päckchen zu tragen. Und auch alle anderen Auslandshunde, die ich kennengelernt habe. Grundsätzlich ist das ja nichts falsches aber ich möchte kein Ü-Ei mehr.

In einem anderen Artikel schrieb ich ja schon, das Auslandshunde sehr Facettenreich sind und von “total unkompliziert” bis hin zu “mag keine Menschen, Kinder und andere Tiere” alles vertreten sein kann. Was man bekommt, merkt man immer erst, wenn der Hund schon zwei Wochen eingezogen ist – manchmal auch erst viel später. Und nein, die Ansprechpartner vor Ort können nicht wissen, wie sich der Hund in seiner zukünftigen Familie verhalten wird. Ein “Umtausch” stürzt den Hund und den Verein in den allermeisten Fällen in eine mittelschwere Katastrophe. Und ein Rücktransport in das Heimatland ist für den Hund mehr als Unfair!

Und deshalb habe ich nicht eine Sekunde daran gedacht, Skadi zurückzugeben. Sondern wie wir Probleme lösen können. Skadi und ich haben also eine Menge zusammen trainiert. Mittlerweile findet sie es nicht mehr notwendig, Jogger zu jagen, Passanten zu stellen oder Roller zu verfolgen. Besuch wird nur noch kurz verbellt und dann bekommt sie sich in der Regel schnell wieder ein. Nur Kinder und vorbeifahrende LKWs sind und bleiben wohl auch eine Baustelle. Aber das können wir gut managen.

Und der Fairness halber will ich auch noch erwähnen, was sie super gut kann! Sie bleibt total toll alleine und wartet seelenruhig bis wir wieder Zuhause sind. Sie hat von sich aus keine Impulse, zu anderen Hunden hin zu wollen. Wenn wir ohne Inuki (und damit ohne den Mehrhundehaltereffekt) unterwegs sind, könnte ich im Slalom ohne Leine an wildfremde Hunde vorbei gehen. Sie würde sich nur für mich interessieren. Rehe, Hasen und anderes Wild erregen zwar ihre Aufmerksamkeit aber sie würde nie hinterher hetzen. Grundsätzlich läuft sie auf Gassigängen ganz entspannt mit. Manchmal könnte man vergessen, dass sie dabei ist. Sie schnüffelt hier, riecht dort und passt selbstständig auf, dass sie den Anschluss an uns nicht verliert. Sie wartet auf uns, wenn sie zu weit vor gelaufen ist. Bei allem, was ich abfrage (sei es Sitz, Platz, Hopp oder Bleib oder ganz andere Aufgaben) ist sie mit Eifer dabei um alles richtig zu machen. Das gleiche gilt auch für Dinge wie Agility, Obedience oder Trickdogging. Und wenn Skadi liebt, dann richtig. Mit Haut und Haaren. Für sie gibt es nichts schöneres als Kontaktliegen mit den Menschen, die sie liebt. Egal ob auf oder neben ihnen, im Bett, auf der Couch oder dem Fußboden. Sie genießt einfach nur ihren Menschen.

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Die Frage ist, wiegen die positiven Charaktereigenschaften die Negativen auf? Hat man genug Zeit, Lust, Geld und Geduld zum Training? Und kann man im Worst Case den Hund einfach so akzeptieren wie er ist? Das er keine Kinder mag und diese auch abschnappt wenn sie zu Nahe kommen? Das fremde Menschen doof sind und verbellt werden? Stubenreinheit immer ein Wunschtraum bleiben wird? Und noch vieles andere nicht der Wunschvorstellung entspricht? Ich glaube, diese Frage kann man sich nur beantworten, wenn man ehrlich zu sich selbst ist und noch keinen Konkreten “Wunschkandidaten” gefunden hat. Ich konnte damals sagen: JA! Wir schaffen das! Schönreden passiert in den meisten Fällen ganz unbewusst. Selbst ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich plötzlich Herzchen in den Augen bekomme wenn ich die Shelta-Seite öffne.

Aber Fakt ist, wer kleine Kinder hat, in einem Umfeld wohnt, was nicht so leicht passend gemacht werden kann und wer vor allem feste Vorstellungen von seinem zukünftigen Vierbeiner hat und vielleicht sogar auch Erwartungen, der ist mit einem Hund aus dem deutschen Tierschutz und “Probewohnen” oder einem Welpen/Hund vom Züchter besser beraten.

Manchmal findet man auf hiesigen Anzeigeportalen auch Scheidungshunde oder Hunde, die auf Grund von Kinderwunsch ihre Koffer packen mussten. Und sogar – und da muss ich regelmäßig mit dem Kopf schütteln – Welpen die bereits nach wenigen Wochen zu anstrengend geworden sind und “aus privaten Gründen” neue Halter suchen. Dort kann man sich in der Regel das alte Zuhause ansehen und den Hund vor dem Kauf live erleben und besser beurteilen, ob er in die eigene Familie passt. Denn Rückgaben auf Grund von falschen Erwartungen die der Hund (noch) nicht erfüllen kann, sind auch hier einfach nicht fair.

Anmerkung: Ich finde alle Hunde haben ein tolles Zuhause verdient! Aber alles zu “retten” was nicht bei drei auf dem Baum ist, ist der falsche Weg. Außerdem denke ich, das manche Hunde mit einem Leben als Haushund überfordert sind und ein Leben als Straßenhund – mit all seinen Tücken und Gefahren – besser dran wären. Nichtsdestotrotz brauchen die Tierschützer vor Ort Hilfe und ich denke, dass Geldspenden oder vor Ort Einsätze dazu besser geeignet sind als Adoptionen. Sofern es sich natürlich um seriöse Tierschutzorganisationen handelt. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Habt ihr Hunden aus dem Ausland ein Zuhause gegeben? Wie sind eure Erfahrungen? Waren die Hunde wie beschrieben, wurden eure Erwartungen erfüllt? Wie war der Vermittlungsablauf und der Kontakt zur Orga danach? Und vor allem – würdet ihr das noch mal machen?

Hi, ich bin Dani, Bloggerin und Autorin bei Kleinstadthunde. Ich liebe leckeres Essen, tolle Schokolade, spannende Serien und jegliche Art von Abenteuer. Du kannst mich auch auf Facebook und Instagram finden.

Ein Kommentar

  • Sandra

    Hey Dani,
    gerade die Ansicht in deinem vorletzten Absatz teile ich auch. Lieber den Tierschutz dort vor Ort stärken. Ich hatte mal einen tollen Artikel über freilebende Hunde im Ausland gelesen. Die in dem Ort versorgt werden, kastriert sind, aber ansonsten frei laufen dürfen.
    Die kamen super zurecht und wären vermutlich völlig überfordert, wenn sie plötzlich mit Menschen, wohlmöglich in einer Großstadt zusammen leben müssten.
    Vor Aaron hatten wir drei Tierheimhunde hinter einander. Damals wurde sich aber mit der Einschätzung nicht viel Mühe gemacht. Aber wir haben uns die Hunde im Tierheim angeschaut und uns eine eigene Meinung gebildet. Alle 3 waren absolute Glücksgriffe. Ich würde auch keine Überraschung aufnehmen wollen. Bei uns muss ein Hund schon Kinder toll finden, das wäre dann herbe wenn ich mir einen Hund aus dem Ausland aussuche und plötzlich ist der angeblich kinderfreundliche Hund genau das Gegenteil.

    Mich würde meine Suche später nach einem Hund wieder durch die Tierheime und Vereine führen. Da wo es möglich ist, sich mehrmals zu treffen und sich gegenseitig zu “beschnuppern”. Ein Familienmitglied braucht Zeit und es ist dem Hund gegenüber nur fair.
    liebe Grüße
    Sandra mit Aaron

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