Wie werde ich Jägerin – und was erwartet mich auf dem Weg dorthin?

Von Mitte Oktober 2024 bis Ende Juni 2025 habe ich einen Weg beschritten, der mich viel Nerven, Zeit, Geld – und noch mehr Leidenschaft gekostet hat. Ich habe meinen Jagdschein gemacht. Und auch wenn ich zwischendurch mehr als einmal geflucht habe: Heute bin ich froh und stolz, dass ich es durchgezogen habe.

Wenn du selbst mit dem Gedanken spielst, Jäger oder Jägerin zu werden, möchte ich dir hier einen ehrlichen Einblick geben – nicht nur in das Was, sondern vor allem in das Wie. Denn die Jagdausbildung ist kein Spaziergang. Aber sie ist eine Erfahrung, die man nicht vergisst.

Mein Weg zur Jagd: Von der Theorie bis zum Schuss

Ich habe mich über die örtliche Jägerschaft für den Kurs angemeldet. Mein Kurs startete im Oktober 2024 – und von da an drehte sich mein Alltag (fast) nur noch um Waffenhandhabung, Wildbiologie, Jagdrecht und Schießtraining.

Zweimal pro Woche war Unterricht angesetzt – abends, nach einem langen Arbeitstag. Die Themen reichten von Haar- und Federwild über Hegegemeinschaften, Biotopverbund, Fallenjagd, Naturschutzrecht, Waffengesetz bis hin zum Wann darf ich ein Stück überhaupt erlegen – und was passiert danach?

Später, im Frühjahr, kam das Flintenschießen dazu. Und da wurde es für mich richtig fordernd.

Die größte Hürde: Die Flinte

Ich sage es ehrlich: Das Flintenschießen war für mich der absolute Endgegner. Die Kombination aus schneller Zielerfassung, sicherem Anschlag, innerer Ruhe und diesem Schwung mit dem ganzen Körper – das hat bei mir nicht sofort Klick gemacht.

Ich habe Zusatztermine mit einem Privatlehrer genommen, um überhaupt mithalten zu können. Dazu kamen zweimal pro Woche Schießstandtermine zusätzlich zum Unterricht – plus Reviergänge, bei denen wir unter realen Bedingungen lernten, Spuren zu lesen, Kirrungen anzulegen oder Hochsitze zu beurteilen.

Es gab Wochen, da hatte ich fünf jagdliche Termine. Neben Job, Haushalt und Hunden war das… heftig.

Kostenfaktor: Der Jagdschein ist kein Schnäppchen

Auch das will gesagt sein: Die Jagdausbildung ist teuer. Kursgebühren, Munition, Schießstandgebühren, Fahrtkosten, Waffen- und Ausrüstungsanschaffungen – man ist schnell bei mehreren Tausend Euro. Und das ist noch ohne die spätere Jagdausübung, bei der z. B. ein Revierbeitrag oder Pacht dazukommt.

Ich finde es wichtig, dass man das vorher weiß – und sich überlegt, ob man bereit ist, diese Investition zu tätigen. Für mich war es das wert.

Die Prüfung: Adrenalin pur

Ich habe in meinem Leben schon einige Prüfungen abgelegt. Aber keine war so aufreibend wie diese.

Monatelanges Lernen, Karteikarten, Fachbücher, YouTube-Videos, Wildtierpräparate, rechtliche Definitionen auswendig pauken – ich habe wirklich alles gegeben. Und am Abend vor der Prüfung war ich nervlich am Ende.

Was, wenn ich bei der Waffenhandhabung patze? Was, wenn ich beim Mündlichen das Kitz mit dem Rehkalb verwechsel?

Aber am Ende hat es geklappt. Ich habe bestanden – mit einem Lächeln, das mir tagelang nicht aus dem Gesicht wich.

Und jetzt? Eine neue Welt steht offen

Heute halte ich meinen Jagdschein in der Hand – und mit ihm öffnet sich eine Welt, die ich schon lange betreten wollte. Ich bin noch auf der Suche nach einer Jagdgelegenheit, habe aber bereits Pläne für meine Hunde und erste Revierbesuche.

Die Jagd ist für mich mehr als das Erlegen eines Stücks. Es ist Verantwortung, Respekt vor dem Wild, aktiver Naturschutz – und eine Verbindung zur Natur, wie man sie nur versteht, wenn man morgens um fünf im Wald sitzt und der Tag erwacht.

Mein Fazit

Die Jagdausbildung war intensiv. Körperlich, geistig, emotional. Es war manchmal zu viel – und trotzdem hat es sich gelohnt.

Wenn du den Wunsch spürst, Jägerin oder Jäger zu werden: Geh diesen Weg. Aber geh ihn bewusst. Nimm dir Zeit. Plane Geld ein. Und sei dir darüber klar, dass du dich für eine Lebensweise entscheidest, nicht für ein Hobby.

Und wenn du irgendwann nervös im Prüfungsraum sitzt, die Hände schwitzen und dein Herz rast: Denk an mich. Du bist nicht allein.

Waidmannsheil,

Dani 🦌🌿

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