Rückruf unter Ablenkung: So klappt er auch draußen

Working Cocker Spaniel beim Rückruf unter Ablenkung

Auf einer leeren Wiese funktioniert der Rückruf perfekt. Dein Hund schnüffelt ein bisschen herum, du rufst – und er kommt. Läuft dagegen plötzlich ein Hase über den Weg oder taucht am Horizont ein anderer Hund auf, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Und da zeigt sich für mich, wie gut ein Rückruf wirklich sitzt.

Denn ein Rückruf ist erst dann ein Rückruf, wenn dein Hund eigentlich etwas Besseres vorhat.

Das bedeutet nicht, dass ein Hund von heute auf morgen Wild, andere Hunde oder spannende Gerüche ignorieren können muss. Gerade bei jagdlich motivierten Hunden wäre diese Erwartung ziemlich unfair.

Aber wenn der Rückruf später auch unter echter Ablenkung funktionieren soll, müssen wir ihn genau darauf vorbereiten.

Rückruf unter Ablenkung: Warum das so viel schwieriger ist

Ein häufiger Fehler im Rückruftraining ist, dass wir viel zu schnell von „funktioniert ohne Ablenkung“ zu „muss jetzt überall funktionieren“ springen.

Dabei gibt es dazwischen ziemlich viele Abstufungen.

Ein Hund, der entspannt über eine Wiese läuft, trifft eine völlig andere Entscheidung als ein Hund, der gerade eine frische Wildspur in der Nase hat. Und noch einmal schwieriger wird es, wenn das Reh tatsächlich vor ihm abspringt.

Deshalb trainiere ich Rückruf nicht einfach nur über immer größere Entfernungen, sondern vor allem über steigende Ablenkung.

Erst wenn mein Hund eine Situation zuverlässig bewältigen kann, wird es schwieriger.

Eine Schleppleine kann dabei Gold wert sein. Nicht, weil ich meinen Hund daran zu mir ziehen möchte. Sie verhindert vielmehr, dass aus einem Trainingsfehler direkt ein selbstbelohnender Jagdausflug wird.

Meine Empfehlung: Schleppleine*

Gerade bei Hunden, deren Rückruf draußen noch nicht zuverlässig funktioniert, gehören Management und Training für mich deshalb unbedingt zusammen.

Fünfmal rufen ist kein Rückruftraining

„Pan, hier! … Pan! … HIER! … Paaaan!“

Kennen wahrscheinlich einige.

Das Problem daran: Der Hund lernt ziemlich schnell, dass das erste Signal offenbar gar nicht so wichtig ist.

Aus einem Rückrufsignal wird irgendwann eher eine freundliche Vorankündigung.

Deshalb versuche ich, mein Rückrufsignal möglichst bewusst einzusetzen. Ich rufe nicht einfach auf Verdacht, wenn ich eigentlich schon weiß, dass mein Hund gerade nicht ansprechbar ist.

Und wenn ich rufe, möchte ich möglichst dafür sorgen können, dass die richtige Reaktion folgt.

Genau deshalb ist eine Schleppleine übrigens kein Zeichen dafür, dass der Rückruf „nicht funktioniert“. Sie ermöglicht überhaupt erst, Situationen zu trainieren, die der Hund noch nicht zuverlässig bewältigen kann.

Das gleiche Prinzip gilt auch für andere Bereiche im Alltag: Erst absichern, dann trainieren und die Schwierigkeit Stück für Stück erhöhen.

Leinenführigkeit hier auf meinem Blog

Dein Hund entscheidet nicht zwischen „gehorsam“ und „ungehorsam“

Gerade beim Rückruf hilft es, sich einmal anzuschauen, was auf der anderen Seite der Entscheidung steht.

Nehmen wir einen jagdlich motivierten Hund.

Vor ihm läuft ein Hase.

Und hinter ihm stehst du mit einem trockenen Leckerli.

Jetzt kann man natürlich sagen:

„Aber er weiß doch, was Hier bedeutet.“

Ja. Vielleicht weiß er das tatsächlich.

Trotzdem konkurriert dein Signal gerade mit einer verdammt starken Motivation.

Hetzen kann für einen jagdlich motivierten Hund enorm belohnend sein. Wenn meine Belohnung dagegen regelmäßig aus etwas besteht, das mein Hund in dieser Situation kaum interessant findet, wird es schwierig.

Deshalb lohnt es sich beim Rückruf nicht nur über das Signal nachzudenken, sondern vor allem über die Frage:

Was ist für meinen Hund in genau dieser Situation eigentlich eine echte Belohnung?

Die richtige Belohnung beim Rückruf

Futter kann großartig funktionieren. Muss es aber nicht immer.

Bei einem Hund, der gerade in hoher jagdlicher Erregung steckt, kann Bewegung beispielsweise deutlich interessanter sein.

Bei Pan kann deshalb auch ein Ball eine sehr hochwertige Belohnung sein.

Warum?

Weil ich damit zumindest einen Teil dessen aufgreife, was ihn vorher überhaupt motiviert hat: Bewegung verfolgen, hinterhergehen, Dynamik.

Ich nehme ihm also nicht einfach nur etwas Spannendes weg und gebe ihm dafür einen Keks. Stattdessen kann ich versuchen, ihm nach der richtigen Entscheidung eine Alternative anzubieten, die seiner ursprünglichen Motivation näherkommt.

Das kann je nach Hund ganz unterschiedlich aussehen: gemeinsames Rennen, ein Spiel, ein Futterjackpot, ein Dummy oder eben ein Ball.

Wichtig ist dabei nicht, was wir für eine tolle Belohnung halten.

Der Hund entscheidet, was für ihn verstärkend wirkt.

Für Futterbelohnungen finde ich einen Leckerlibeutel praktisch, an den ich im Training schnell herankomme. Gerade beim Rückruf möchte ich schließlich nicht erst minutenlang in irgendwelchen Jackentaschen suchen.

Meine Empfehlung: Leckerliebeutel*

Rückruf mit Pfeife

Gerade bei Jagdhunden kann zusätzlich ein Rückruf über die Pfeife sinnvoll sein.

Der große Vorteil: Das Signal klingt immer gleich und trägt auch über größere Entfernungen. Außerdem schleichen sich dabei nicht so schnell Emotionen ein wie beim gesprochenen Rückruf.

Denn seien wir ehrlich: Das fünfte „HIIIIER!“ klingt meistens deutlich anders als das erste.

Auch ein Pfeifensignal muss natürlich sorgfältig aufgebaut und hochwertig verknüpft werden. Die Pfeife ist kein magischer Rückrufknopf.

Meine Empfehlung: ACME Pfeife *

Schwierigkeit langsam steigern

Wenn dein Hund bei einem anderen Hund auf 100 Meter Entfernung noch problemlos ansprechbar ist, hast du einen guten Trainingspunkt.

Dann müssen es morgen nicht plötzlich fünf Meter sein.

Dasselbe gilt für Wildgeruch, Vögel, Fahrräder oder andere spannende Umweltreize.

Suche dir Situationen, in denen dein Hund die Ablenkung wahrnimmt, aber noch nicht komplett darin verschwindet.

Dort findet Training statt.

Mit zunehmender Sicherheit wird die Aufgabe schwieriger: geringere Distanz, stärkere Reize, mehr Bewegung oder Situationen, in denen dein Hund bereits etwas stärker erregt ist.

Genau dadurch entsteht nach und nach ein Rückruf unter Ablenkung, der nicht nur im Garten oder auf der leeren Wiese funktioniert.

Und wenn der Rückruf einmal nicht klappt?

Dann würde ich daraus kein Drama machen.

Aber ich würde mir die Situation genau anschauen.

War die Ablenkung zu stark? Habe ich zu spät gerufen? War mein Hund überhaupt noch ansprechbar? War meine Belohnung in dieser Situation wirklich konkurrenzfähig?

Ein nicht ausgeführter Rückruf ist für mich deshalb vor allem eine Information:

Diese Trainingsstufe war gerade noch zu schwer.

Dann gehe ich beim nächsten Mal einen Schritt zurück.

Was ich möglichst vermeiden möchte, ist das Gegenteil: fünfmal rufen, irgendwann aufgeben und den Hund anschließend noch zehn Minuten seiner ursprünglichen Beschäftigung nachgehen lassen.

Denn auch daraus lernt er.

Ein guter Rückruf entsteht nicht im Notfall

Der Moment, in dem plötzlich Wild vor deinem Hund steht, ist nicht der Moment, in dem du anfängst, Rückruf zu trainieren.

Das Training passiert vorher.

Auf langweiligen Wegen. Mit kleinen Ablenkungen. An der Schleppleine. Mit bewusst gewählten Belohnungen. Und irgendwann auch unter immer schwierigeren Bedingungen.

Gerade bei jagdlich motivierten oder sehr impulsiven Hunden braucht das Zeit.

Das Ziel ist für mich dabei auch nicht, dass mein Hund nie wieder etwas spannender findet als mich. Das wäre ziemlich unrealistisch.

Ich möchte vielmehr, dass er gelernt hat:

Auch wenn da vorne gerade etwas unglaublich Spannendes passiert, lohnt es sich, auf mein Signal zu reagieren.

Und genau dann wird aus einem Rückrufsignal langsam ein Rückruf, auf den man sich auch im echten Leben verlassen kann.


Du möchtest euren Rückruf systematisch aufbauen?

Wenn euer Rückruf ohne Ablenkung schon ganz gut funktioniert, draußen aber regelmäßig an seine Grenzen kommt, fehlt häufig nicht das Signal selbst. Es fehlt der schrittweise Transfer in schwierigere Situationen.

In meinem Rückrufkurs zeige ich dir, wie du den Rückruf strukturiert aufbaust und anschließend Stück für Stück unter realistischen Bedingungen festigst.

Mein Kurs: Rückruf Schritt für Schritt aufbauen

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