Dummytraining im Alltag: 5 einfache Übungen für den Spaziergang

Dummytraining muss nicht immer nach Training aussehen. Du brauchst keinen Trainingsplatz, keine fünf Dummys und auch keine Stunde Zeit. Manchmal reicht ein Mini-Dummy in der Jackentasche – und aus einem ganz normalen Spaziergang wird plötzlich richtig gute gemeinsame Zeit.

Genau das ist einer der Gründe, warum ich Dummytraining so gerne mag.

Natürlich trainiere ich mit meinem Hund auch gezielt. Aber mindestens genauso wichtig finde ich die vielen kleinen Möglichkeiten, die sich im Alltag ergeben. Ein Holzhaufen am Wegesrand, eine Wegkreuzung, ein umgestürzter Baum oder einfach ein paar Meter Waldweg reichen oft schon aus.

Und das Schöne daran: Ganz nebenbei trainieren wir Dinge, die wir auch außerhalb des Dummytrainings ziemlich gut gebrauchen können.

Impulskontrolle. Frustrationstoleranz. Rückruf. Aufmerksamkeit. Orientierung am Menschen.

Vor allem aber machen wir etwas zusammen.

Muss ein Spaziergang den Hund überhaupt beschäftigen?

Nein.

Und das ist mir tatsächlich wichtig vorwegzunehmen.

Dein Hund muss nicht auf jedem Spaziergang permanent bespaßt werden. Er darf schnüffeln. Er darf seine Umwelt erkunden. Er darf einfach mal Hund sein.

Ich halte auch nichts davon, alle drei Meter irgendeine Aufgabe aus der Tasche zu zaubern, damit der Hund bloß nicht auf die Idee kommt, sich selbst mit seiner Umwelt zu beschäftigen.

Aber es gibt eben auch das andere Extrem.

Wir laufen eine Stunde mit dem Hund durch den Wald, schauen vielleicht zwischendurch aufs Handy, der Hund schnüffelt irgendwo vor sich hin – und am Ende waren wir zwar gemeinsam spazieren, haben aber eigentlich kaum etwas miteinander gemacht.

Genau da baue ich gerne ein paar kleine Dummyübungen ein.

Nicht 30 Minuten am Stück. Manchmal sind es auf einer ganzen Runde vielleicht nur zwei oder drei kleine Aufgaben.

Das reicht völlig.

Mein Tipp für unterwegs: Mini-Dummys

Wenn du Dummytraining in deinen Alltag integrieren möchtest, sind Mini-Dummys* dafür ziemlich praktisch.

Ein normaler 500-Gramm-Dummy* nimmt in der Jackentasche doch ordentlich Platz weg. Einen Mini-Dummy kannst du dagegen einfach einstecken und vergessen, bis sich unterwegs eine gute Gelegenheit ergibt.

Und die findet sich meistens schneller, als man denkt.

Gerade weil die Dinger so klein sind, kann man sie nahezu überall verstecken: zwischen Wurzeln, im hohen Gras, hinter einem Baumstamm oder in einem Holzhaufen.

Damit sind wir auch schon bei der ersten Übung.

1. Die kleine Verlorensuche

Eine meiner liebsten Übungen für unterwegs ist gleichzeitig ziemlich simpel.

Du lässt während des Spaziergangs unbemerkt einen Mini-Dummy fallen.

Dann läufst du erst einmal weiter.

Je nachdem, wie erfahren dein Hund schon ist, können das anfangs vielleicht nur zehn Meter sein. Später können daraus 50 Meter oder deutlich mehr werden.

Dann stoppst du und schickst deinen Hund zurück.

Jetzt muss er den Dummy suchen, den ihr unterwegs „verloren“ habt.

Für einen Anfänger würde ich den Dummy zunächst relativ einfach ablegen. Dein Hund soll verstehen, worum es geht und Erfolg haben. Später kannst du ihn etwas abseits des Weges oder in höherem Bewuchs platzieren.

Und plötzlich habt ihr mitten auf eurem normalen Spaziergang eine kleine Suche eingebaut.

2. Nutze das, was sowieso da ist

Wenn du einmal anfängst, deine Umgebung als Trainingsgelände zu betrachten, wirst du wahrscheinlich überrascht sein, wie viele Möglichkeiten es gibt.

Ich liebe zum Beispiel Holzstapel.

Ein Mini-Dummy lässt sich wunderbar zwischen zwei Holzscheiten verstecken. Der Hund muss seine Nase einsetzen und kann nicht einfach nur das offensichtlich herumliegende Dummy einsammeln.

Genauso funktionieren Baumstümpfe, Wurzeln, Laubhaufen oder höheres Gras.

Dabei geht es mir gar nicht darum, den Dummy möglichst fies zu verstecken.

Die Aufgabe soll lösbar bleiben.

Gerade bei einem Hund, der gerne mit 180 Sachen in jede Suche startet, kann so eine kleine Aufgabe aber wunderbar dabei helfen, etwas konzentrierter zu arbeiten.

Nicht immer gewinnt der Schnellste.

Manchmal gewinnt derjenige, der seine Nase vernünftig benutzt.

Wichtig: Natürlich verstecken wir nichts so, dass der Hund sich beim Herausholen verletzen oder irgendwo einklemmen kann. Und an aufgeschichteten Holzpoltern würde ich den Hund auch nicht hochklettern lassen. Der Dummy gehört an eine sicher erreichbare Stelle.

3. Ein Dummy fliegt – und du bleibst trotzdem sitzen

Für diese Übung brauchst du eigentlich nur ein paar Meter Platz.

Du holst deinen Hund zu dir, lässt ihn sitzen und wirfst einen Dummy.

Und dann?

Nichts.

Erst einmal passiert überhaupt nichts.

Der Dummy liegt da. Dein Hund hat gesehen, wo er gelandet ist. Trotzdem darf er nicht sofort hinterher.

Erst wenn du ihn freigibst, geht es los.

Das ist klassische Steadiness aus dem Dummytraining – gleichzeitig aber eine richtig gute Übung für den Alltag.

Denn was übt dein Hund dabei eigentlich?

Da passiert etwas Spannendes und trotzdem muss ich nicht sofort reagieren.

Und genau diese Fähigkeit brauchen wir ständig.

Ein Vogel fliegt hoch. Ein anderer Hund rennt. Irgendwo bewegt sich etwas im Gebüsch.

Natürlich wird dein Hund nicht automatisch wildrein, nur weil er vor einem fliegenden Dummy sitzen bleiben kann. So einfach funktioniert es leider nicht.

Aber wir üben ein Prinzip, das im Alltag ziemlich wertvoll ist: Reiz bedeutet nicht automatisch Reaktion.

Gerade am Anfang würde ich daraus übrigens keine Geduldsprobe machen. Zwei oder drei Sekunden ruhig sitzen bleiben können völlig reichen. Dann kommt die Freigabe und dein Hund darf seinen Dummy holen.

4. „Merk dir das mal.“

Auch kleine Memories kannst du wunderbar beim Spaziergang einbauen.

Dein Hund sieht, wie du einen Dummy ablegst oder wirfst.

Aber statt ihn sofort holen zu lassen, geht ihr erst einmal weiter.

Vielleicht 20 Meter. Vielleicht 100. Das hängt komplett vom Trainingsstand deines Hundes ab.

Später kommt ihr zurück und dein Hund darf den Dummy holen.

Bei fortgeschrittenen Hunden kannst du natürlich viel mehr daraus machen: größere Distanzen, längere Wartezeiten, eine andere Aufgabe dazwischen oder eine veränderte Startposition.

Aber für den Alltag muss es gar nicht kompliziert sein.

Und du wirst irgendwann einen interessanten Nebeneffekt bemerken:

Du selbst schaust dir deine Umgebung plötzlich ganz anders an.

Da vorne steht ein einzelner Baum – super Landmarke.

Der kleine Busch an der Weggabelung? Da könnte ich etwas ablegen.

Und hinter dem Baumstamm wäre eigentlich eine ziemlich schöne kleine Suche möglich.

Plötzlich ist der ganz normale Spazierweg voller Trainingsmöglichkeiten.

5. Mach den Rückruf zum Anfang statt zum Ende

Diese Übung mag ich besonders gerne, weil sie Dummytraining und Alltag direkt miteinander verbindet.

Dein Hund läuft frei.

Du rufst ihn.

Er kommt zu dir – und statt dass jetzt jedes Mal nur die Leine dran kommt oder der Spaß vorbei ist, passiert etwas Tolles.

Du schickst ihn zum Beispiel auf eine kleine Suche.

Oder du wirfst nach einer kurzen Grundstellung einen Dummy.

Damit kann der Rückruf eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Denn gerade bei jagdlich motivierten oder sehr selbstständigen Hunden verlangen wir draußen ziemlich viel.

Komm zurück.

Bleib da.

Nicht hinterher.

Lass das.

Warte.

Mit Dummytraining können wir einen Teil dessen, was der Hund sowieso gerne macht, gemeinsam mit ihm ausleben.

Du möchtest suchen? Super. Dann suchen wir zusammen.

Du möchtest rennen? Darfst du. Aber nicht kopflos hinter irgendeiner Wildspur her, sondern auf meine Freigabe zum Dummy.

Und genau das ist für mich ein ziemlich wichtiger Teil von guter Zusammenarbeit.

Dummytraining zu Hause? Klar!

Das Ganze funktioniert übrigens genauso gut, wenn du gerade überhaupt keine Lust auf einen langen Spaziergang hast.

Oder wenn draußen norddeutsches Schietwetter herrscht.

Ein Mini-Dummy lässt sich auch in der Wohnung oder im Garten verstecken.

Du kannst ihn hinter einem Möbelstück, unter einer Decke oder an einer anderen sicheren Stelle verstecken und deinen Hund suchen lassen.

Im Garten hast du meistens noch mehr Möglichkeiten.

Und auch hier gilt wieder:

Du musst daraus kein 30-minütiges Beschäftigungsprogramm machen.

Zwei oder drei konzentrierte Suchen können vollkommen reichen.

Ich bin sowieso ein großer Freund von Qualität statt Quantität. Lieber fünf Minuten, in denen Hund und Mensch wirklich gemeinsam bei der Sache sind, als eine halbe Stunde Beschäftigung um der Beschäftigung willen.

Gemeinsame Zeit ist mehr als gemeinsam unterwegs sein

Und eigentlich ist das für mich der wichtigste Punkt an der ganzen Sache.

Dummytraining im Alltag bedeutet nicht, dass dein Hund auf jedem Spaziergang funktionieren oder ständig auf dich achten muss.

Es bedeutet auch nicht, dass aus jeder Hunderunde eine Trainingseinheit werden soll.

Es sind diese kleinen Momente zwischendurch.

Der Hund schnüffelt zehn Minuten und macht sein Ding. Dann machen wir fünf Minuten etwas zusammen. Danach darf er wieder losziehen.

Dieser Wechsel gefällt mir.

Denn dadurch konkurriere ich draußen nicht permanent mit der Umwelt meines Hundes. Ich werde ein Teil davon.

Bei mir gibt es auch etwas zu entdecken. Mit mir kann man suchen. Mit mir kann man rennen. Bei mir lohnt es sich, zwischendurch mal nachzufragen, was eigentlich gerade so los ist.

Und gerade bei einem Hund, der draußen sehr viele eigene Interessen hat, finde ich das ziemlich wertvoll.

Also: Mini-Dummy einstecken und los

Du musst für Dummytraining nicht jedes Mal einen Trainingstag planen.

Steck dir beim nächsten Spaziergang einfach einen kleinen Dummy in die Jackentasche.

Und dann schau, was sich ergibt.

Vielleicht findest du einen Holzhaufen. Vielleicht „verlierst“ du unterwegs ganz zufällig etwas. Vielleicht fliegt einmal ein Dummy und dein Hund muss sich drei Sekunden zusammenreißen, bevor er hinterher darf.

Mehr muss es manchmal gar nicht sein.

Denn am Ende geht es beim Dummytraining im Alltag nicht darum, möglichst viele Aufgaben abzuhaken.

Es geht darum, aus einem Teil der Zeit, die wir sowieso mit unseren Hunden verbringen, echte gemeinsame Zeit zu machen.

Und wenn dabei ganz nebenbei noch ein bisschen Impulskontrolle, Rückruf, Nasenarbeit und Zusammenarbeit abfällt – umso besser.

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