Die Vermenschlichung unserer Hunde | kleinstadthunde.de
Hundeleben,  Mythen in der Hundewelt

Die Vermenschlichung unserer Hunde und sie lauert hinter jeder Ecke!

Immer wieder hört man es. Egal ob Hundewiese oder Hundeplatz, TV oder Zeitschrift. Das größte Übel der Hundehaltung ist wohl die Vermenschlichung. Typischerweise sind immer nur jene Hundehalter betroffen die mit ihren Hunden nett, fair und äußerst respektvoll umgehen. Tja, wir bzw. ich habe das auch schon oft gehört. Ich sollte meine Hunde weniger als Kinderersatz sehen sondern mal so richtig artgerecht erziehen war dabei noch das harmloseste. Und das kommt meistens von Hundehaltern, die mehr Baustellen mit ihrem Hund haben als die A1.

Und wenn ich es recht bedenke, wenn mein “Kinderersatz” besser “hört” als so manches menschliches A*loch-Kind habe ich doch eigentlich alles richtig gemacht?! Und was ist schon artgerecht im Leben eines Haushundes? Trockene staubige Brocken die mehr aus Getreide als aus Fleisch bestehen und unseren Hunden zu fressen in den Napf geschmissen werden?! Ein röchelnder Mops? Eine krumme Bulldogge? Wohl nicht …

Die Vermenschlichung unserer Hunde | kleinstadthunde.deSelbstredend sind die Hundehalter, die ihre Hunde aversiv führen niemals nie Opfer der Vermenschlichung (sowohl beim Hund als auch bei sich selbst ….). Schließlich brauchen Hunde eine harte Hand und Konsequenz. Noch nicht mal der kleine Fingernagel darf den Hunden gegeben werden – sie fressen in Nullkommanix den ganzen Arm und mehr!

Selbstverständlich sind meine Hunde auch deshalb viel zu vermenschlicht – schließlich schlafen sie im Bett, dürfen gerne mal selber Entscheidungen treffen, bekommen teures Futter (eigentlich nur Mittelklassefutter, aber das liegt wohl immer im persönlichen Blickwinkel) und sie gehen vor mir durch die Haustür, werden nie ausgeschimpft oder gemaßregelt … Ist das wirklich schon Vermenschlichung?

Bei meiner Recherche habe ich gelernt das Vermenschlichung immer bedeutet

  • dass das Hündchen in Mäntelchen gezwungen wird und somit mehr Accessoire als Lebewesen ist oder
  • keine Regeln und Grenzen kennt und damit seiner Familie auf der Nase rum tanzt oder
  • im Bett/auf der Couch schläft und damit die Rangfolge in Gefahr ist oder
  • mit dem Hund gesprochen wird als wäre er ein Mensch – manchmal auch in Babysprache oder
  • für den Hund Essen gekocht wird oder
  • dem Hund menschliche Fähigkeiten zusprechen wie z. B. bewusstes Handeln, denken, fühlen oder ähnliches oder
  • dass der Hund Rudelführer ist und nicht der Mensch eben durch mangelnde “artgerechte” Erziehung des Hundes oder
  • der Mensch sich selbst nicht verhundlicht – sprich, nicht davon überzeugt ist das ein Hund eigentlich nur nach der Macht innerhalb des “Rudels” strebt oder
  • … usw.

Was soll ich sagen? Check, check, check. Schuldig im Sinne der Anklage. Davon abgesehen – der VDH, der es besser wissen sollte schreibt übrigens über Vermenschlichung so etwas in der Art. Der Artikel kann ja nur aus dem letzten, frühen Jahrhundert sein. Ansonsten wäre es ein echtes Armutszeugnis für den VDH Hessen, schon allein wegen dem ganzen Rudelquatsch.

Ganz ehrlich? Wenn der Hund nicht grad dass Herrchen oder Frauchen aus dem Bett schmeißt, sich dreist den Teller vom Tisch klaut wenn Frauchen noch die Gabel in der Hand hält oder andere Unarten und Erziehungsdefizite zeigt, halte ich die sogenannte Vermenschlichung – sofern es sie wirklich bei Hunden gibt wie propagiert – für nicht besonders gefährlich.

Regeln im Zusammenleben mit Hunden kann man auch ganz nett durchsetzen, ohne großes Geschrei, Machtkämpfe oder körperliche Maßregelungen. Konsequenz bedeutet auch nicht, dem Hund bei jeder Gelegenheit “Ich Chef, du nix!” reinzudrücken.

Sicherlich, wenn der Hund als Kinderersatz dient und auch so behandelt wird, mit Kleidchen bestückt und Krallenlack, wirkt das sicher sehr befremdlich. Auch auf mich. Und ob der Hund es toll findet in einer Tragetasche durch die Gegend geschleppt zu werden sei dahingestellt.

Die Vermenschlichung unserer Hunde | kleinstadthunde.de

Manchmal ist es aber auch nicht so wie es scheint und man interpretiert zu viel in die flüchtig gesehene Situation hinein als sie zu hinterfragen. Es kann für einen kleinen Teacup Chi in einer Tasche sicherer sein als im Getümmel der Fußgängerzone. Schließlich sind diese wirklich wirklich sehr sehr winzig und einmal draufgetreten… sparen wir uns das. Ein Whippet, Dalmatiner und auch ein großer “böser” Pit Bull (der ja nun wirkliche eine harte Hand braucht….!ironie!) sind um einen Hundemantel im Winter sicherlich dankbar. Fehlende Unterwolle und der daraus fehlende Schutz vor Kälte sei dank. Vermenschlichung hin oder her – frieren ist doof. Auch für knallharte Killerrüden mit Ambitionen zur Weltherrschaft.

Tja, als ich noch “Alleinstehend” war, waren meine Hunde Partnerersatz in den Augen vieler Menschen. Nun lebe ich in einer gefestigten aber kinderlosen Ehe und meine Hunde sind plötzlich Kinderersatz. Tja, man kommt so oder so nicht aus der Vorurteilsschiene raus.

Außerdem schlafen meine Hunde im Bett. Nicht weil sie müssen sondern weil sie können wenn sie wollen. Sie liegen auch manchmal im Sofa oder im orthopädischen Körbchen (äh what?! Jaja …), wir kaufen diverse Artikel für Hunde die nicht lebensnotwendig sind und sprechen sogar mit unseren Hunden. In Babysprache, in Erwachsenensprache, in Englisch und manchmal auch mit Körpersprache. Man kann einfach nicht nichts sagen. Das habe ich schon in der Schule gelernt.

Sicherlich verwöhnen unsere Hunde irgendwo, nehmen auf ihre Bedürfnisse Rücksicht, geben viel Geld für sie aus (nicht nur für Futter. Auch Spielzeug, Leinen und Halsbänder fressen ein großes Loch in unserem Knipp) und trotzdem geht es ihnen und uns gut. Ob sie nun vermenschlicht sind oder nicht interessiert mich nicht. Wir haben so gut wie keine Baustellen mehr (außer Skadis Deprivation und Inukis stürmische “Begrüßung” bei anderen Hunden) und auch im sonstigen Zusammenleben läuft alles Rund.

Selbst wenn sie tatsächlich vermenschlicht sind, folgen hat das keine für uns und ich glaube für 99% der anderen, vermenschlichten Hunde und deren Halter da draußen auch nicht. Es sind halt immer die anderen, die damit ein Problem haben … warum auch immer (vielleicht Neid, weil es trotz des Alpha Krams nicht läuft und gar nicht entspannt ist?).

Und wenn Vermenschlichung bedeutet auf seinen Hund acht zu geben, ihn als Lebewesen zu respektieren und seine hündischen Bedürfnisse zu erfüllen weil wir uns eben um unsere liebsten Freunde kümmern – tja dann finde ich sollte jeder Hund vermenschlicht werden. Einfach aus Prinzip. Oder seht ihr das anders? Wenn ja, warum?

Hi, ich bin Dani, Bloggerin und Autorin bei Kleinstadthunde. Ich liebe leckeres Essen, tolle Schokolade, spannende Serien und jegliche Art von Abenteuer. Du kannst mich auch auf Facebook und Instagram finden.

2 Kommentare

  • Isabella

    Liebe Dani,

    ich musste zwischendurch schon mal schmunzeln und auch mal den Kopf schütteln. Manchmal ist es wohl wirklich so, dass ich die Hunde “vermenschliche” – gerade, wenn es einem der Beiden nicht so gut geht. Allerdings glaube ich auch nicht, dass einer die Weltherrschaft an sich reißen will 🙂 Für uns sind die Hunde Familienmitglieder mit Rechten und auch Pflichten … und so leben wir eigentlich ganz gut zusammen.
    Natürlich ist das nicht überall so. Gerade hier auf einigen Höfen sind die Hunde einfach Arbeiter. Sie bewachen, schützen und helfen gerade den Schäfern bei den herden Diese Hunde werden natürlich auch versorgt, müssen aber auch ihre Leistung bringen. Ein solcher Arbeitshund auf dem Sofa ist für viele hier undenkbar. Aber da ist auch der Grund der Hundehaltung ein anderer.

    Zum Glück bin ich ja hier meistens alleine und komme so mit den unterschiedlichen Meinungen nur selten in Berührung … und eigentlich bin ich auch ganz froh darüber.
    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

  • Sandra

    Hallo Dani,

    Danke dein Artikel ist super. Ich vermenschliche auch gerne meinen Hund, wenn man nach der Definition deines letzten Absatzes geht. Ich hatte mal auf einem Flohmarkt ein Buch zur Hundeerziehung aus den 80ern in der Hand…uff, was waren da für schlimme Methoden drin. Mit Nadeln gespickte Köder, damit der Hund nichts mehr aufnimmt etc.

    Ich bin froh, dass sich in vielen Köpfen in Richtung der Hundehaltung etwas ändert. Haltung ist allein schon ein doofer Begriff, denn man lebt zusammen. Man kümmert sich um die Bedürfnisse. Achtet das Wesen des Hundes, was hat er für ein Geschichte, wovor hat er Angst, was macht er gerne.

    Ich bin froh, dass ich mit Aaron den Weg des Kasernenton auf dem Hundeplatz nicht beschreiten musste und direkt die für uns richtige Hundeschule gefunden habe. Ich finde es auch toll wie viel Material man mittlerweile zum Lesen oder Anschauen über Hunde findet. Immer wieder bin ich baff wenn eine neue Doku über Hunde läuft und neue Forschungsergebnisse zu diesen wunderbaren treuen Begleitern bekannt gemacht werden.

    liebe Grüße
    Sandra mit Aaron

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.