Alles Belohnung oder was?!

Inuki |kleinstadthunde.de

Vor einigen Wochen traf ich mich mit einer Freundin zum gemeinsamen Gassigehen im Rahmen einer Trainingsstunde. Ihr Hund ist ein kleiner süße Fratz aus dem Ausland der eine Menge wichtiger Termine im Freilauf hat. Blöd nur, dass das Frauchen keines dieser Termine ist. Im Klartext bedeutet es dass der Rückruf bei Pivo reine Glückssache ist.

20150214-IMG_9579

Genau wie Skadi liebt Pivo schnüffeln und stöbern. Er ist halt genau wie sie ein Jagdhund und als (möglicher) Brackenmix dazu sehr selbstständig, stur und selbstbewusst. Er ist dann so in seiner Welt versunken das alles andere nebensächlich wird. Zum Glück ist Pivo super verfressen. Wir sind dann angefangen jeden Pups von Pivo der sich an seine Besitzerin richtete mit Futter zu belohnen. Immer und Konsequent, selbst fürs angucken wenn sein Name genannt wurde hat Pivo ein Leckerchen bekommen. Und schon innerhalb eines Spazierganges wurde Pivo aufmerksamer und ja, der Rückruf klappte. Zwar nicht zu 100% und auch nicht immer beim ersten mal aber es war eine stetige Verbesserung zu sehen. Und für die “erste Trainingsstunde” schon total toll! Darauf lässt sich aufbauen.

Mein Vorschlag war jetzt so immer weiter zu machen. So wie ich es in meinem Artikel zum doppelten Rückruf bereits erklärt habe.

Aber die Besitzerin hatte ein mulmiges Bauchgefühl. Sie wollte ihren Hund nicht “bestechen”, Pivo solle nicht auf den Rückruf kommen nur weil er ein Leckerchen erwartet.

“Mein Hund soll nicht wegen der Belohnung gehorchen sondern wegen mir!” – aha?!

Das heißt also der Hund soll gehorchen weil er sein Frauchen sooooo lieb hat oder aus Dankbarkeit – schließlich wurde er aus dem Ausland “gerettet”. Diese Hunde sind ja sowieso immer besonders “dankbar”. Tut mir Leid aber nach Meinung ist das ein zu sehr vermenschlichtes denken. Selbst ich arbeite nicht ohne Bezahlung. Und ja – die Höhe einer Bezahlung hat auch Einfluss darauf wie Hoch die Motivation ist mit der die gestellten Arbeitsanweisungen ausgeführt werden. Ein 1 Euro Jobber überlegt es sich sicherlich auch 3x ob er seinen Job besonders ordentlich und mit ggf. Mehrarbeit ausführt oder nicht.

Die Wahrheit ist einfach das es nur 2 Gründe gibt warum Hunde gehorchen:

– er gehorcht um Strafen zu vermeiden oder
– er gehorcht weil er hofft eine Belohnung zu bekommen

Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn der Hund keine Belohnung fürs folgen erhält, erhält er aber eine Bestrafung fürs nicht folgen. Aber da Frage ich mich warum wird die Bestrafung (Zwang, Strafe, negative Verstärkung) als ok angesehen während eine Belohnung mit Bestechung gleichgesetzt und dadurch als “nicht richtiger Weg” bezeichnet wird?

Iám the Packleader?

Inuki

Auch die Sache mit der Rangordnung ist totaler Mumpitz. Mein Hund soll mir gehorchen weil ich das Alphatier, der Rudelführer bin? Iám the Packleader? Nö. Sind wir nicht. Da können wir uns auf den Kopf stellen. Hunde und Menschen bilden keine Rudel aus, somit gibt es auch keine Rangordnung und somit keinen Rudelführer. Das habe ich mir nicht ausgedacht sondern wurde von verschiedenen Wolfsforschern (welche an freilebenden Wölfen arbeiten) bewiesen.

Ach ja, auch ein umgangssprachlicher “Alphawolf”, also das/die Elterntier/e eines Familienverbandes,  würde einem anderen Wolf innerhalb der Familie niemals sagen wann er was zu machen hat a´la “du machst jetzt Sitz, Platz, Steh und Nein, du wälzt dich nicht in Aas!”.

Viele Hundehalter denken auch wenn von Belohnung gesprochen wird, ist damit immer Futter gemeint. Nö, ist es nicht. Belohnung ist einfach nur etwas, was die Motivation des Hundes steigen lässt mit dem Menschen zusammen zu arbeiten. Hier erklärte ich bereits was Motivation ist und hier habe ich das Premack Prinzip als Belohnung erklärt. Belohnung kann vom einfach Streicheln, zu Futter über Spielzeug bis hin zum erlaubten Vögel jagen oder Löcher buddeln alles sein! Der Hund entscheidet nämlich ganz allein was er toll findet und was hochwertig genug ist um eine Belohnung für ihn darzustellen. Und das ist dann auch noch Situationsabhängig!

“Der hört dann ja nur wenn ich Futter in der Hand habe …”

Dazu kann es in der Tat sehr leicht kommen. In diesem Fall hat man das Futter zu oft und zu lange als Lockmittel benutzt, sprich, dem Hund es vor die Nase gehalten und die zu erwartende Belohnung gezeigt bevor die Übung ausgeführt hat. Letzteres ist wirklich Bestechung.

In dem Fall hat der Hund nur gelernt dem Leckerchen zu folgen und nicht was man von ihm will (Bsp.: Sitz und Platz). Wichtig ist das der Hund lernt das es auch eine Belohnung geben kann wenn er sie vorher nicht sieht. Und wichtig ist auch das nachdem der Hund eine Übung verstanden hat (und nicht nur dem Leckerchen folgt) die Belohnungen variabel kommen. Sprich: Der Hund weißt nicht wann er belohnt wird und wann nicht.

Wenn der Hund das verstanden hat (=Belohnung nach Zufallsprinzip) wird er seine Leistung steigern und Übungen besonders hartnäckig und sorgfältig ausführen. Denn es könnte ja dieses mal etwas geben. Wichtig ist eben das die Belohnung zufällig kommt (für den Hund) und sie nicht ersichtlich ist (wie z.B. Hände in die Jackentasche). Auch sollte die Belohnungsfrequenz langsam und variabel heruntergefahren werden und nicht abrupt ausgelassen werden bis das gelernte Verhalten gefestigt ist.

Wenn sorgfältig, zielführend, auf den Hund abgestimmt und lange genug trainiert wird, ist ein Rückruf ein Kinderspiel.  Fleißarbeit also 🙂

KategorieAlltag

Hi, ich bin Dani, Bloggerin und Autorin bei Kleinstadthunde. Ich liebe leckeres Essen, tolle Schokolade, spannende Serien und jegliche Art von Abenteuer. Du kannst mich auch auf Facebook und Instagram finden.

0 Kommentare

  1. Mir hängt diese ganze Diskussion ohnehin zum Hals raus. Ich kann auch nicht verstehen, warum man es sich unbedingt schwerer machen muss als es ist. Linda kriegt von mir, was sie will. Mal ist es ein Spiel, das sie einfordert, mal ein Leckerli, mal etwas anderes. Das kann sie glasklar kommunizieren und in ihrem Fall stimmt es auch nicht, dass es nicht funktionieren würde, wenn die Belohnung mal ausbleibt. Denn auch ich laufe oft genug ohne vollgestopfte Taschen mit ihr durch die Gegend… 😉

    LG Andrea

    • Hi Andrea 🙂

      Ich bin wirklich froh das du die selben Erfahrungen wie ich gemacht hast und meiner Meinung sind. Oft sind diese Leckerlie Gegner solche Hundehalter, die 20x rufen nur um den Hund dann doch einfangen zu müssen 😉

      Liebste Grüße
      Dani mit Inuki und Skadi

  2. So richtig was ihr geschrieben habt 🙂
    Ein toller Bericht.

    Ja es ist einfach wichtig den Hund lesen zu lernen und die Lerntherorie anzuwenden – dann klappt alles andere wie von selbst.
    Unser Hund zeigt uns doch jeden Tag was er gern hat und was nicht, warum gehen manche Menschen nicht richtig darauf ein ?
    Ja, richtig – weil sie Ihre Hunde nicht verstehen.

    Und wenn ein Halter seinen Hund täglich aus 10 Meter Entfernung mit “leeeckerchen” anspricht und wild in der Tüte kramt, dann hat diese Team leider nichts verstanden 😉

    • Vielen Dank für deine positive Rückmeldung zu meinem Post 🙂 Ich bin froh das meine Lieblingsbretonen die Art von Training genießen wie meine beiden Monster auch 🙂

      Liebste Grüße
      Dani mit Inuki und Skadi

  3. Wenn Frau Zweibein mich ruft komme ich auch immer in der Hoffnung, dass sie etwas Leckeres für mich hat. Hat sie auch oft. Aber eben nicht immer. Manchmal fliegt stattdessen der Dummy für mich (was eigentlich sogar noch besser ist), manchmal gibt es eine Streicheleinheit, manchmal auch “nur” ein Lob. Ich komme aber trotzdem JEDES MAL, denn ich will ja wissen, was mich erwartet. 😉
    Liebe Grüße
    Lotta

    • Hallo Lotta,
      ich finde es toll das du mit deinem Frauchen so super zusammen arbeitest. Wusstest du das die Leistungssteigerung bei variabler Belohnung ein bewiesener Aspekt ist?! Dein Frauchen macht also alles richtig 🙂

      Liebste Grüße
      Dani mit Inuki und Skadi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.