Doppelter Rückruf Trainingsanleitung | kleinstadthunde.de
Hundeleben,  Training

Der doppelte Rückruf So kommt dein Hund immer zu dir zurück

Der perfekte Rückruf – jeder Hundehalter träumt von ihm. Seinen Hund in jeder Lebenslage, sei es aus dem Spiel oder aus der Jagd nach Hasen abrufen zu können, ist das Ziel vieler Hundehalter. Doch leider ist dies mehr Wunschdenken statt tatsächlicher Sachverhalt.

Nicht selten sieht man Hundehalter, die durchgeschwitzt und mit rotem Kopf versuchen ihren Hund einzufangen – während dieser lieber ein Katz und Maus Spiel mit seinem hilflosen Halter spielt. Doch wie können wir dem entgegen wirken?

Warum der Rückruf so wichtig ist

Für mich persönlich ist der Rückruf super wichtig. Je besser der sitzt, desto mehr Freiheiten können meine Hunde genießen. Außerdem kann er Leben retten! Aber andere Hundehalter sehen das leider nicht so. Schließlich gibt es ja eingezäunte Bereich für den Freilauf zu denen man gehen könnte und überhaupt, 3 Monate im Jahr muss der Hund so oder an die Leine. Immer. Aber ich glaube, diese Halter sind nur zu Faul oder im Hundetraining generell keine Leuchte. Denn ein guter Rückruf braucht in meinen Augen kontinuierliches und systematisches Training.

Die wenigstens wissen, das der Rückruf aus vielen verschiedenen Aktionen besteht – nämlich die bisher gemachte “Wunsch”-Aktion des Hundes unterbrechen, umdrehen, umorientieren zum HF und dann auch noch auf den HF zukommen. Und dass alles auf direktem Weg ohne sich noch mal ablenken zu lassen. Das sind insgesamt vier Aktionen, wobei die erste natürlich die schwierigste ist.

Natürlich liegt es immer am jeweiligen Hund ob es nun für ihn wichtiger ist die Ausgangsaktion abzubrechen oder eben nicht, der eine Hund findet wälzen toll, der andere hält das Spiel mit Artgenossen für das non plus Ultra und denkt gar nicht dran zu Frauchen zurück zu kommen, warum auch? Was kann Frauchen schon bieten?

Das der Rückruf unter Umständen Leben rettet – und vielleicht nicht nur das des eigenen Hundes – steht außer Frage. Aber das weiß natürlich der Hund selbst nicht. Deswegen ist das stetige Rückruftraining auch so wichtig. Damit wird der Rückruf irgendwann zu einer “generalisierten Handlung” und der Hund nicht mehr nachdenkt ob er nun kommen will oder nicht, sondern sich automatisch zum Halter umorientiert und zurück kommt.

Trainingsansätze

Doch wie trainiert man so einen Rückruf nun? Dazu gibt es viele verschiedene Methoden und ja, viele Wegen führen auch beim Rückruf nach Rom. Doch für mich hat sich der doppelte Rückruf als die Lösung für uns erwiesen. Schon als Welpe habe ich Inuki und Skadi darauf trainiert und mittlerweile ist unser Rückruf zu einem Reflex geworden der immer sitzt.

Der doppelte Rückruf (DRR) besteht aus einem Umorientierungssignal und einem Anker.
Das erste Signal, das Umorientierungssignal (UOS), ist das Signal, welches dem Hund sagt “Hey, hier bin ich, schenk mir deine Aufmerksamkeit!”.

Es ist also ein Aufmerksamkeitswechsel und gleichzeitig auch ein Abbruchkommando. Denn der Hund bricht sein Verhalten ab und wendet sich seinem Menschen zu. Dieses Signal sollte immer belohnt werden, schließlich ist ein Aufmerksamkeitswechsel nicht selbstverständlich für den Hund. Unser eigenes UOS ist ein Pfiff oder auch “nur” der Name.

Das zweite Signal ist der Anker, welches als “renne zu mir”-Signal gebraucht wird. Bei mir sind das zwei kurze Pfiffe die wiederholend hintereinander gegeben werden und je näher der Hund kommt, desto hektischer gebe ich sie. Manche verwenden auch KommKommKommKommKomm oder HierHierHierHierHier. LaLaLaLa habe ich auch schon gehört 😀

Zusammengesetzt sieht unser DRR dann so aus:

1x Pfiff -> Umorientierung -> (2x kurze wiederholende Pfiffe -> Hund rennt zu einem) -> Hund ist angekommen -> Jackpot

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Hier hört Inuki sein Umorientierungssignal, ein Pfiff

Aufbau

Ich baue beide Signale getrennt voneinander auf. Bei dem UOS starten wir in reizarmer Umgebung. Der Hund ist im ersten Schritt neben euch und muss noch gar nichts machen. Ihr gebt das entsprechende Signal, c+b (oder, falls ihr ohne Clicker arbeitet, “Fein”+Belohnung). Du wählst natürlich eine für deinen Hund möglichst hochwertige Belohnung. Der Hund soll erstmal lernen, dass das Signal ultra geil ist. Es kündigt immerhin etwas super duper tolles an.

Im zweiten Schritt gibt es das Futter erst, wenn sich der Hund auch tatsächlich umorientiert, sich zu dir umdreht und/oder Blickkontakt sucht. Nach und nach erweiterst du die Distanz zu dir. Irgendwann dreht sich dein Hund nicht nur um, sondern er kommt auch zu dir. Du hast nun also einen einfachen Rückruf konditioniert.

Das Ankersignal funktioniert im Aufbau ähnlich. Nur das ich zu aller erst das zu mir kommen des Hundes generell mit dem Signal kommentiere und immer belohne. Egal ob ich gerufen habe oder nicht, in jedem Fall gibt es was tolles.

Wenn beide Signale super klappen, kannst du sie kombinieren. Und nicht vergessen: Belohnen! Und Belohnung ist nicht gleich Belohnung. Für den einen Hund ist Leberwurst das tollste der Welt, ein anderer würde für ein tolles Ballspiel sterben.

Auch Wälzen, Schnüffeln gehen, etc. sind tolle sog. Umweltbelohnungen und sollten nicht vergessen werden. So lasse ich Inuki zum Beispiel vor einem Baum, zu dem er gerne hin und Schnüffeln möchte, ein Signal ausführen und als Belohnung lasse ich ihn dann das tun, was er sowieso wollte. Schließlich ist in dem Moment für Inuki das schnüffeln das was er eigentlich möchte und toll findet, und nicht irgendein Leckerlie. Genauso kann es in einer anderen Situation natürlich auch umgekehrt sein.

Warum ist der doppelte Rückruf so erfolgreich?

Belohnungstechnisch ist der DRR super abwechslungsreich und wurde mit verschieden Bestärkern verknüpft, und zum anderen wirkt der Anker teritär, das bedeutet, der Anker kündigt einen sekundären Bestärker (c+b, klasse, fein, was auch immer) an und signalisiert dem Hund kontinuirlich alle paar Meter, dass was du gerade jetzt machst, ist toll und mach es weiter. Anfeuern würde der gemeine Hundehalter es nennen. Oder auch intermediäre Brücke oder eben Ankersignal.

Ganz im Gegensatz zum einfachen Rückruf erinnert der DRR mit seinem Ankersignal den Hund die ganze Zeit daran was er zu tun hat. Und so lässt sich der Hund auf seinem Weg nicht so leicht von anderen reizvolleren Dingen ablenken. Ein einfacher RR wird ja nur einmal gegeben, damit es sich nicht abnutzt, der Anker wird kontinuierlich gegeben. Es kann sich nicht abnutzten da er ja nur ertönt wenn der Hund das richtige tut.

Übe den DRR in allen Situationen! Man kann ihn klasse auf Spaziergängen einbauen. Und noch mal, ich kann es nicht oft genug erwähnen, die Belohnung! Wähle sie variabel und lasse sie so nah wie möglich an die eigentliche Motivation des Hundes heran kommen. Z. B. beim Abruf vom Schnüffeln ein Futtersuchspiel, beim Abruf vom Wild hetzen darf der Hund einen Ball oder ein Spielzeug hinterher rennen und so alternative Beute machen. Wenn du nur Futter wählst, weiß der Hund dass Futter auf Ihn wartet. Dann wägt er vielleicht ab und entscheidet sich im Ernstfall für den Hasen und nicht für die und dem Futter. Auch das Futter selber kann man varieren. So gibt es mal ne Futtertube, ein anderes mal Fleischwurst oder Käse. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und bei Welpen haben die meisten diese Art des RR ja sowieso schon benutzt, nur leider nie als einzelne, sichere Signale aufgebaut.

Der Rückruf ist reine Fleißarbeit!

Hi, ich bin Dani, Bloggerin und Autorin bei Kleinstadthunde. Ich liebe leckeres Essen, tolle Schokolade, spannende Serien und jegliche Art von Abenteuer. Du kannst mich auch auf Facebook und Instagram finden.

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